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Frau
Elend
Es war einmal eine arme Frau, die besaß eine winzige Hütte in
einem kleinen Garten sowie einen Birnbaum und eine Ziege. Da die Dorfbuben ihr
regelmäßig die Birnen vom Baum stahlen mußte sie sich ausschließlich von der Milch der
Ziege ernähren.
Eines Tages kam zu ihr ein Alter und bat um ein Quartier für
die Nacht. Obwohl sie auch für sich zu wenig zum Leben hatte nahm sie ihn um der
Barmherzigkeit - wie sie sagte - auf und teilte das Wenige mit ihm. Bevor er morgens ging
bedankte er sich bei ihr und gewährte ihr einen Wunsch, der ihr in Erfüllung gehen
sollte, denn er war der heilige Antonius von Padua.
Sie wünschte, die Buben sollten so lange auf dem Baum
verharren, bis sie sie wieder herunterläßt. So kam es, daß die diebischen Buben beim
nächsten Beutezug reglos im Baum verharren mußten bis ihre Eltern die Frau Elend auf
Knieen baten, die Schlingel herunter zu lassen. Fortan blieb sie unbehelligt von ihnen und
verbrachte ihre Jahre froh und zufrieden.
Schließlich kam der Tod zu ihr um sie zu holen. Sie schien
bereit zu sein und bat ihn, auf den Birnbaum zu steigen um sich für den Weg zu stärken.
Da er nun aber nicht mehr herunter konnte starben die Alten und Kranken lange Zeit nicht
mehr. Sie versammelten sich jedoch und baten Frau Elend, den Tod freizulassen, damit sie
in Ruhe sterben könnten.
Frau Elend sagte: Wenn der Tod mir schriftlich gibt, daß er
mich immer übergeht, dann laß ich ihn vom Birnbaum heruntersteigen. So geschah es und so
lebt Frau Elend noch heute.
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